FAQ & Glossary

Im Polyamory-Umfeld gibt es oft Begriffe und Themen, die in unserer Gesellschaft „nicht normal“ sind. Nicht normal bedeutete in diesem Kontext nicht falsch, sondern einfach anders. Es existiert sehr viel Literatur und sehr viele Fragen wurden bereits umfassend beantwortet. Eine kleine Auswahl der unserer Meinung nach wichtigsten Fragen, die regelmäßig auftauchen, findet ihr hier. Weiter unten findet ihr auch ein Glossar.

Frequently Asked Questions

Im Folgenden geben wir erste Antworten auf Fragen die regelmäßig gestellt werden. Oft sind die Antworten, eine mögliche Antwort und nicht die eine richtige Antwort. Wir werden das FAQ fortlaufend ergänzen!

Warum ist euch Privatsphäre so wichtig?

In derselben Runde sitzen Menschen mit sehr unterschiedlichen Risiken, z.B. ein laufender Sorgerechtsstreit, ein Beruf mit Vorbildanspruch, Vermieter:innen, die Herkunftsfamilie.

Leider werden nicht-monogamen Beziehungsformen und den Menschen, die diese ausüben, weiterhin (fälschlicherweise!) teilweise Folgendes unterstellt: Unzuverlässigkeit, fehlende Bindungsfähigkeit, mangelnde Eignung als Elternteil. Vereinzelt wird Nicht-Monogamie, wie früher schon Homosexualität, auch ohne jede Grundlage in die Nähe von Straftaten gerückt.

Rechtlich lässt sich dagegen wenig ausrichten. § 1 AGG schützt vor Benachteiligung aufgrund von Rasse und ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität. Die Beziehungsform wird dort nicht genannt.

Dazu kommt: Ein Outing ist bei einvernehmlicher Nicht-Monogamie fast nie nur das eigene. Wer offen über seine Beziehungen spricht, macht auch Partner:innen, Metamours (die Partner:innen der eigenen Partner:innen), ehemalige Partner:innen und alle sichtbar, die dabei erwähnt werden.

Und es bleibt selten bei den Anwesenden. Wenn du einer Person von jemandem aus dieser Runde erzählst, erzählt sie es vielleicht weiter, meist ohne böse Absicht, einfach als interessante Geschichte. Die betroffene Person und all ihre Partner:innen, Metamours usw.werden nicht gefragt, erfahren oft nichts davon und sind geoutet, ohne, dass sie sich selbst dazu entschieden haben und bevor sie es merken.

Deshalb die Regel: Was hier gesagt wird, bleibt hier. Keine Screenshots, keine Namen nach außen, auch keine Details, aus denen sich jemand zusammensetzen lässt (Chatham House Rule). Wenn du selbst offen lebst, dann freut uns das! Diese Entscheidung triffst du aber nur für dich, nicht für andere.

Wer sieht, dass ich in der Signal-Gruppe bin?

Kurz: Außerhalb der Gruppe erfährt niemand davon, auch Signal selbst nicht. Allerdings können wir nicht garantieren, dass alle den Regeln folgen.

Es gehört zur Wahrheit auch dazu, dass jeder in der Gruppe sieht, dass du Teil der Gruppe bist, und spätestens wenn du zu einem Stammtisch kommst, sehen die Menschen, wer du bist. Wir, die Admins, geben unser Bestes, um auszuwählen, wer Zugang zur Signal-Gruppe hat; trotzdem ist und bleibt es eine Signal-Gruppe, auf die sich jeder im Internet potenziell zunächst Zugriff verschaffen kann.

Die anderen Mitglieder sehen deinen Profilnamen und dein Profilbild. Beides legst du selbst fest. Ein Spitzname genügt, ein Foto ist nicht nötig.

Deine Telefonnummer sehen nur Leute, die sie ohnehin schon in ihren Kontakten haben. Das bedeutet, dass Menschen, die deine Telefonnummer haben und Mitglied der Gruppe werden, potenziell sehen können, ob du ebenfalls Mitglied der Gruppe bist.

Prüf einmal: Einstellungen → Datenschutz → Telefonnummer. „Wer kann meine Nummer sehen” auf Niemand, „Wer kann mich anhand meiner Nummer finden” auf Niemand. Letzteres steht standardmäßig auf Jede:r.

Über den Einladungslink trittst du bei, ohne dass vorher jemand deine Nummer braucht.

Was Technik nicht löst: Die Leute in der Gruppe sehen, dass du da bist. Wer dich kennt und deine Nummer gespeichert hat, erkennt dich. Dagegen hilft keine Einstellung, sondern nur eine Absprache, und die gilt bei uns verbindlich: keine Screenshots, keine Namen nach außen, kein Outing, weder online noch offline. Deshalb verwenden wir für unsere Treffen auch die Chatham-House-Regel. Wer dagegen verstößt, wird vom Stammtisch ausgeschlossen.

Wenn dir das noch zu viel ist, kannst du auch erst zum Stammtisch kommen, ohne in der Signal-Gruppe zu sein. Du kannst dafür einfach eine der Orga-Personen anschreiben.

Signal selbst verbietet es, auf demselben Gerät mehrere Signal-Accounts zu verwenden. Es gibt allerdings einige Wege, doch ein zweites Arbeitsprofil oä anzulegen.

Kann ich in die Signal Gruppe, auch wenn ich nicht vor habe den Stammtisch zu besuchen?

Nein.

Die Signal-Gruppe dient einzig und allein dem Austausch zwischen den Mitgliedern des Stammtischs zur Organisation des Stammtischs. Wir organisieren darüber nur Terminabsprachen und teilen ab und an Veranstaltungshinweise. Wenn du vorhast, den Stammtisch zu besuchen, bist du herzlich willkommen! 

Das ist doch nur was für Menschen unter 30!

Polyamorie, offene Beziehungen, Beziehungsanarchie und alle anderen Formen ethischer Nicht-Monogamie, kurz ENM, scheinen mit dem Lebensstil von Menschen in den Dreißigern in Verbindung gebracht zu werden, aber das ist keine feste Regel. Auf unserem Stammtisch ist der Altersdurchschnitt zugegeben eher um die 30, allerdings haben wir auch aktive Mitglieder, die bereits über 50 sind.

Glossary

Im Folgenden stellen wir Begriffe, die im Kontext von Polyamorie auftreten können, kurz vor. Wir werden das Glossar fortlaufend ergänzen!

Polyamorie

Polyamorie bezeichnet eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, wobei diese Tatsache allen Beteiligten bekannt ist und einvernehmlich gelebt wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamorie

Offene Beziehung

Eine offene Beziehung (auch offene Ehe) bezeichnet eine Beziehung, in der die Beteiligten die Freiheit vereinbart haben, auch andere Sexualpartner zu haben. Die Entscheidung für eine offene Beziehung beruht in der Regel auf der Polygamie mindestens eines Partners. Falls mit den zusätzlichen Personen nicht bloß eine Sexbeziehung eingegangen werden darf, sondern ebenfalls eine emotionale Bindung, spricht man zusätzlich von Polyamorie, und statt von einer „offenen Beziehung“ eher von einer „polyamoren Beziehung“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Beziehung

Beziehungsanarchie

Beziehungsanarchie (relationship anarchy) beschreibt die Praxis, zwischenmenschliche Beziehungen auf der Basis individueller Wünsche anstatt feststehender Normen und Regeln zu führen.

In Abgrenzung zur Polyamorie lehnen Beziehungsanarchisten eine formelle Unterscheidung zwischen verschiedenen Typen von Beziehungen (Liebesbeziehungen und andere) ab. Sie betrachten jede Beziehung als individuell, im Gegensatz zu verbreiteten Kategorisierungen nach gesellschaftlichen Normen wie „nur Freunde“, „in einer Beziehung“, „in einer offenen Beziehung“ etc.

https://de.wikipedia.org/wiki/Beziehungsanarchie

Ethische Nicht-Monogamie

Ethische Nicht-Monogamie, kurz ENM, oder auch Ethical Non-Monogamy ist ein Sammelbegriff für offene Beziehungsmodelle. Oft ist die Abgrenzung zwischen den einzelnen Begriffen schwierig und lässt Raum für Interpretationen. Die Bezeichnung ethische Nicht-Monogamie macht klar, dass es um einen ethisch korrekteren Umgang geht (d.h. weder eine “einseitige offene Beziehung” (Seitensprung) noch eine “einseitige offene Beziehung” (Fremdgehen)). 

Metamour

Metamour, kurz Meta, bezeichnet einen Partner des eigenen Beziehungspartners, mit dem jemand sozusagen „über Eck“ in Beziehung steht. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamorie#cite_note-109

Compersion (Mitfreude/Resonanzfreude)

Compersion (Mitfreude oder auch Resonanzfreude) bezeichnet eine Manifestation von Liebe, wenn jemand im Geliebtwerden eines geliebten Menschen durch eine andere Person Glück und Erweiterung findet und sich daran freut, und stellt somit in gewisser Weise einen Gegenpol zur Eifersucht dar. Sie ist eine Form von Empathie, das heißt, Freude daran, dass der nahestehende Mensch etwas Schönes in seinem Leben erfährt. Das Gefühl von Mitfreude erstmals zu erleben, wird manchmal als ungewohnt oder fremdartig beschrieben, denn es läuft dem Gefühl von Eifersucht, das die meisten Menschen in solchen Situationen als normal erwarten, zuwider.

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamorie

Polysaturiert

Als polysaturiert bezeichnen sich polyamor lebende Menschen, die aufgrund ihrer Grenzen hinsichtlich Zeit oder Energie derzeit nicht offen für die Entstehung weiterer Beziehungen sind. Anders gesagt: Ein polysaturierter Mensch hat so viele Partnerschaften, wie er derzeit pflegen kann. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyamorie

Don't ask, don't tell (DADT)

Eine Vereinbarung, andere Beziehungen gänzlich aus dem Gespräch herauszuhalten.
Das kann das Unbehagen im Moment verringern, ersetzt aber oft die Kommunikation durch Spekulationen. Und Spekulationen schüren oft Misstrauen, Unstimmigkeiten und ungelöste Eifersucht.

Full Disclosure / Vollständige Offenheit

Eine Vereinbarung, alles miteinander zu teilen, jedes Date, jede Verabredung, jede sexuelle Begegnung und jedes Gefühl. Sie verspricht Sicherheit, erzeugt aber oft Druck, alles zu berichten und Transparenz „richtig“ zu praktizieren. Und ganz gleich, wie die Vereinbarung lautet, irgendjemand hat irgendwann das Gefühl, etwas sei zu spät mitgeteilt worden.

One Penis Policy (OPP)

Eine Regel, nach der eine Frau nur
mit Menschen ausgehen darf, die keinen Penis haben. Oft wird dies als Grenze dargestellt, doch es schränkt die Autonomie des einen Partners ein, während es das Wohlbefinden des anderen Partners schützt. Zudem neigt es dazu, Beziehungen zwischen Frauen zu fetischisieren und ungleiche Maßstäbe zu zementieren.

Prescriptive Hierarchy / Vorgeschriebene Hierarchie

Eine Regel, bei der einer Beziehung
eine festgelegte Priorität in allen Dimensionen gegenüber allen anderen Beziehungen eingeräumt wird. Das bedeutet oft, dass der „primäre“ Partner Macht über Beziehungen ausübt, an denen er nicht beteiligt ist. Das kann zu Einschränkungen, abgesagten Plänen und Vetos führen, die alle anderen betreffen.

Fluid Bonding

Eine Regel, bei der Partner nur unbeschränkt miteinander Sex haben,
während sie mit allen anderen Verhütungsmittel benutzen. Das kann ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, aber es kann auch dazu führen, dass es schwerfällt, ehrlich über sich ändernde Bedürfnisse oder Wünsche zu sprechen. Dieser Druck kann zu Geheimhaltung oder Unehrlichkeit führen und damit genau die Sicherheit untergraben, die die Regel eigentlich schaffen soll.

Shelving Your Agenda

“Shelving your agenda”(Seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen) ist eine Strategie in Beziehungen, bei der man die eigenen Bedürfnisse vorübergehend zurückstellt, um den Bedürfnissen des anderen gerecht zu werden. Oft geraten wir in Auseinandersetzungen, in denen beide Seiten Empathie vom anderen erwarten. Wenn jemand in einer Notlage ist, ist seine Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, eingeschränkt. Die emotional reifere Partei kann sich dafür entscheiden, ihre eigenen Anliegen zurückzustellen und sich zuerst um die Bedürfnisse ihres Partners zu kümmern. Das kann etwa so klingen: „Ich brauche gerade wirklich etwas Verständnis, aber ich sehe, dass du möchtest, dass ich diese Situation aus deiner Perspektive betrachte. Lass uns also zuerst auf dich konzentrieren. Bitte erzähl mir mehr darüber, was dich beschäftigt – ich höre dir gerne zu.“ Anschließend fasst man zusammen, was der andere sagen möchte, überprüft, ob man ihn richtig verstanden hat, und fragt dann, ob es noch mehr gibt. Partner müssen zuhören und Verständnis zeigen, bevor sie in die Defensive gehen und versuchen, ihr Verhalten zu rechtfertigen.

https://www.sandyrie.com/notes/shelving-your-agenda